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Der Lehrer - Satire by ~Celeun:iconCeleun:



Der Lehrer

Der Mensch besitzt zwei Arme und zwei Gattungen: die eine, die sich quälen lässt, und die andere, die quält. Die letztere heißt Lehrer.
Der Lehrer ist ein Säugetier und besitzt scheinbar unendliche Motivation, aber auch chronisch schlechte Laune, damit er nicht motivierend wirkt.
Der Lehrer wird durch lange Arbeit hergestellt, und er empfindet es später als natürlich, ihm Unterstellte jene Arbeit aufzuhalsen. Er schafft sich selbst, ohne zu fragen, ob andere ihn gebrauchen können.
Der Lehrer ist ein Nutztier und hat viele praktische Eigenschaften; sei es nun, anderen Menschen mit veralteten Methoden veraltete Ansichten einzuprügeln, um sie auf das Leben von morgen vorzubereiten, oder die Weitergabe unnützer Lebensweisheiten, sowie dem Staat das Geld aus der Hand zu fressen.
Der Lehrer besitzt neben dem Verlangen zu Quälen und zu Lehren zwei Leidenschaften: Reden und nicht Zuzuhören. Der Lehrer ist tatsächlich eine Kreatur, die niemals zuhört. Dadurch entblößt er seine mangelnde Weisheit; ihm Unterstellte, die versuchen, vernünftig zu argumentieren, werden schlichtweg ignoriert, vor allem, wenn sie im Recht liegen. Zuhören kann er jedoch, wenn jene ihm Unterstellten Refarate oder Vorträge halten, besonders hellhörig wird er, wenn Dinge falsch sind; Richtiges und Positives wird überhört. Wenn ein Vortrag tadellos gehalten wurde, wurde das Thema verfehlt.
Der Lehrer gönnt den ihm Unterstellten nicht, noch nicht einmal Freizeit. Daher hat er Hausaufgaben erfunden. Er hat nicht, also sollen die anderen auch nicht haben.
Auf den Lehrer sollte man sich nie verlassen. Niemals. Arbeiten und Tests werden in der Regel zu spät oder gar nicht angesagt, und wenn doch, dann wird sie zwei Tage früher geschrieben als angekündigt. Der Lehrer behauptet gerne, man benötige das Buch in der nächsten Stunde, doch schleppt der ihm Unterstellte die zusätzlichen drei Kilo mit, werden sie doch nicht benötigt. Lässt man das Buch dann vorsorglich zu Hause, hat der Lehrer die ganze Stunde auf dem Buch aufgebaut.
Der Gattung Lehrer ist in zwei Teile aufgespalten:
Der freundliche, der nicht lehren kann, und der sadistische, der nicht lehren will. Beide Teile haben eine der Art zugehörige Ansicht der Dinge: für den freundlichen ist Lernen eine Qual für die ihm Unterstellten, weshalb er das Wissen auf sanfte Art weitergeben will, deren Effektivität jedoch arg begrenzt ist. Für den sadistischen ist das Lernen ebenfalls eine Qual für die ihm Unterstellten, weshalb er es ihnen absichtlich erschwert oder durch gewisse Taktiken sogar beinahe unmöglich macht, sodass die Lernquote gegen Null und die Selbstmordrate in die Höhe geht.
Der Lehrer ist ein Motivation und Euphorie fressendes Wesen, hin und wieder frisst er auch beinahe sich selbst, zum Beispiel beim Anblick von Niederschriften und Materialsammlungen von ihm Unterstellten. Bei Mitgliedern des sadistischen Teils wird bei solchen Fällen auch nicht selten der ihm Unterstellte verschmäht.
Der Lehrer ist ein Herdentier mit festgelegten Terretorien. Das Terretorium einer solchen Lehrerherde bezeichnet man mancherorts als "Lehrerzimmer", ein Gebiet, welches die ihm Unterstellten nur in Ausnahmefällen betreten dürfen. Unerlaubtes Betreten wird mit dem Tode bestraft, zumindest wird dieses vermutet, da kaum ein dem Lehrer Unterstellter es wagt, die Reviergrenze zu überschreiten.
Lehrer miteinander gibt es trotz der Herdenbildung und des gemeinsamen Terretoriums jedoch nicht. Lehrer stehen allein vorne an der Tafel, fechten alleine und unermüdlich den harten Kampf gegen die Dummheit aus. Der Lehrer herrscht. Der Lehrer beherrscht die ihm Unterstellten, regiert mit erhobenem Haupt und eiserner Hand. Widerstandbewegungen werden erbarmungslos niedergeschlagen, er ist der absolute und unangefochtene Monarch in seinem Reich, der sogenannten "Klasse".
Jeder Lehrer besitzt eine Tasche, einen Kugelschreiber, eine Brille und ein Notenbuch. Diese Materialien bilden die Lebensgrundlage dieses Wesens. Es soll Lehrer ohne Tasche, ohne Kugelschreiber und ohne Brille geben; einen Lehrer ohne Notenbuch gibt es jedoch nicht. Dies ist der Grund für vermehrt auftretende Anschläge seitens der dem Lehrer Unterstellten auf jenes Buch, denn ohne diese Lebensgrundlage vegetiert der Lehrer nur so vor sich hin.
Es existieren verschiedene Altersgruppen in der Gattung Lehrer, doch große Unterschiede gibt es dort nicht. Ältere Exemplare haben vergessen, dass auch sie einst jung gewesen sind und lehren mit jenen mittelalterlichen Methoden, mit denen auch ihnen der Stempel des Wissens aufgedrückt worden war. Dass auch sie damals unter unter dieser Art von bestialer Folter gelitten haben, ist vergessen. Die jungen Artgenossen wiederrum haben scheinbar vergessen, dass sie jung sind; ihre Methoden sind wider Erwarten genauso veraltert wie die ihrer älteren Kameraden, einzig und allein die Medien und die Währungen wurden ausgewechselt. Die erwartete Lehrerrevolution blieb aus.
Der Lehrer wartet auf seinen Tod. Darüber hinaus gehört er zu den wenigen Lebewesen, die das genaue Datum ihres Todes, der sogenannten Rente, kennen. Das ganze Leben des Lehrers ist nur dazu da, um durch die Rente wieder beendet zu werden. Der Lehrer ist zudem auch ein Wesen, dass sein Leben zu hassen scheint und all seinen Ärger auf die ihm Unterstellten schiebt.
Darüber hinaus ist der Lehrer eine Kreatur, die veralteten Musikarten anhängt, einen grässlichen Kleidungsstil pflegt, Bücher liest, deren Autoren seit mindestens drei Jahrzehnten tot sind und nie lächelt. Wenn er lächelt, ist er kein Lehrer, sondern human.
Es gibt darüber hinaus noch eine andere Gattung von Mensch, die fast ausschließlich nur in der Nähe von Lehrern gesichtet werden, die sogenannten Schüler. Sie sind die aufmerksamen, gelehrigen und in gewisse Körperregionen kriechenden Jünger der Lehrer, doch ihre Existenz ist bis jetzt noch nicht bestätigt. Sollte ein Exemplar dieser seltenen Gattung gefangen werden, werden wir diese Bildungseinheit fortsetzen.
©2008-2009 ~Celeun
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Submitted: March 17, 2008
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Author's Comments

Eine Satire für den Deutschunterricht.

Es gibt nichts, NICHTS besseres als Satiren, wirklich nicht. Und es gibt wahre Götter unter den Satireschreibern, Kurt Tucholsky sei als einer von vielen mal dargestellt. Diese Satire ist auch eine eine der seinen angelehnt, nämlich an seine Satire "Der Mensch". Dies war eine Aufgabe für den Deutschunterricht, die mir ein wenig über den Kopf gewachsen ist. Dieser ganze Text existiert auch nochmal handgeschrieben in meinem Heft. Und - ja, mir tat die Hand danach weh. Aber egal. Es ist eine Satire, und Satiren dürfen schmerzen.
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:rofl: Ich werde diese Satire nie, NIEMALS, vergessen!

Die Formulierung gefällt mir überaus gut (und das Thema und Ansichtsweise erst recht).
Eine sehr gute Idee, eine Satire über die Gattung Lehrer zu schreiben.

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Ich bin abhängig von der Droge namens StEx...........
und ich habe keine Chance, clean zu werden :D

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